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Hinter den Kulissen: Kinderunterwäsche im Klassizismus
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Da sind sie, in Portraits, Gemälden und Stichen, mit ernsten Gesichtern und niedlicher Kleidung. Aber was haben sie darunter getragen, doch sicher nicht das ganze Zeug, das ihre Eltern trugen?
Genau wie ihre Mütter haben Mädchen und Jungen eine Chemise getragen. Dieses unerläßliche Kleidungsstück war meist aus Leinen gefertigt, und glich im großen und ganzen den Frauenchemisen, mit einer Ausnahme
allerdings: Bei Kinderchemisen wurde oft auf die Seitenkeile verzichtet, die den großen Chemisen zusätzliche Weite verleihen. Deshalb waren die Kinderchemisen mehr oder weniger T-Shirtförmig. Andererseits waren sie
in wohlhabenderen Familien oftmals an Halsauschnitt und Ärmeln mit Spitzenrüschen verziert.
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Über die Chemise gehörte ein Korsett, damals Schnürleib genannt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts galt es als medizinische Lehrmeinung, daß die empfindlichen Körperchen von Kleinkindern durch
festes Schnüren gestützt und geformt werden müßten, und so finden sich in vielen Kostümsammlungen winzige, stark gesteifte Korsetts für Kinder, die wahrscheinlich noch nicht einmal Laufen konnten. Gegen
das letzte Viertel des Jahrhundersts, als sich die Aufklärung endlich bemerkbar machte und Kinderkleider schon klassizistische Tendenzen zeigten, lange bevor sie in der Damenmode erschienen, wurden die
kleinen Schnürleiber endlich weicher und weniger einengend. Auch wenn es nun kaum noch versteift wurde, wurde das Kleidungsstück selber doch zu einem neuem Zweck beibehalten: Da die Kinder nun keine
künstlich erzeugten “Hüften” mehr hatten, suchte man andere Wege, die Unterröcke am Herunterrutschen zu hindern, und fand sie in Knöpfen die auf das Korsett genäht wurden, und an denen man die Unterröcke
festknöpfen konnte.
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Ein schlichter Unterrock vervollständigte die Unterkleidung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, weder Unterhosen noch Wäschehöschen werden zu dieser Zeit erwähnt. Auch gibt es wenig Hinweise auf formgebende
Unterbauten wie Reifröcke oder Hüftpolster für Kinder: Bei der schlichten Kleidung der einfachen Bevölkerung waren sie nicht notwendig, und außer für hochformelle Kleidung lassen sich die modischeren Linien, die man
auf den Portraits wohlhabender Kinder sieht, mit den damals üblichen steifen Seiden meist auch ohne zusätzliche Unterstützung erreichen.
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Gegen Ende des 18. Jahrhunderts tauchten zum ersten Mal Unterhosen in der Unterkleidung von Mädchen und Jungen gleichermaßen auf. Sie wurden (wenn sie getragen wurden), genauso wie die Unterröcke am
Schnürleib festgeknöpft, um sie am Herunterrutschen zu hindern. Ein anderes neues Stück in der Ausstattung waren Pantalettes oder Wäschehosen, auch wenn man sich streiten kann, ob sie wirklich zur
Unterwäsche zählen, schauten sie doch deutlich sichtbar unter den von beiden Geschlechtern bis zum Alter von etwa fünf Jahren getragenen Kleidchen hervor.
Irgendwann zwischen drei und sieben Jahren wurden Jungen dann “in Hosen gesteckt”, und vertauschten ihre Kinderkleidchen und Pantalettes gegen Knabenkleidung wie den damals sehr beliebten Skeletonsuit.
Normalerweise legten sie dabei auch Chemise und Korsett endgültig ab. Die Kleidung der Mädchen paßte sich mit zunehmendem Alter einfach immer mehr an die ihrer Mütter an, die Säume rutschten nach unten,
und die Wäschehosen verschwanden (außer zu Beginn des Biedermeier, als solche Hosen auch von erwachsenen Frauen getragen wurden). Wurde ein Schnürleib getragen, so wurde er figurformender, und verlor
seine Knöpfe.
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