Du hast Diener für beinahe alle Verrichtungen, und deshalb viel Zeit für Spaziergänge im Park oder wohltätige Nadelarbeiten. Du beherrschst ein oder mehrere Instrumente, und kannst vielleicht Reiten. Außer zum Vergnügen gehst Du selten zu Fuß, ansonsten steht Dir eine Kutsche zur Verfügung.

Du nimmst regelmäßig an gesellschaftlichen Ereignissen Teil, und hast eine Zofe, um Dich zu frisieren und Dir beim Ankleiden zu helfen. Du hast Zugriff auf Modemagazine, daher werden Deine Kleider sicher stets nach der neuesten Mode und und von hervorragenden Schneidern sein.

Unten findest Du eine Liste von Kleidungsstücken, die eine angemessene und flexible Garderobe bilden (etwa für 1795 - 1805); das absolute Minimum für ein Wochenende ist in schwarz geschrieben, die optionalen Extras für mehr Abwechslung oder längere Veranstaltungen in rot.

Inhalt der Reisetruhe einer vornehmen Dame

  • zwei feine, verzierte Chemisen, wadenlang oder etwas länger
  • ein Nachthemd
  • einen Morgenmantel oder Banyan
  • ein kurzes Mieder (unnötig, wenn Deine Kleider ein eigebautes Mieder besitzen und Du kleine Brüste hast)
  • eine Tasche zum Umbinden (die Kleider brauchen dann Taschenschlitze)
  • ein farbiges Unterkleid (für mehr Abwechslung, normalerweise reichen Chemise und Mieder völlig)
  • zwei Paar Strümpfe, eines mit farbigen Zwickeln, dazu ein Paar Strumpfbänder
  • Seidenstrüpfe für feine Anlässe
  • ein schleppenloses helles Musselinkleid mit abnehmbaren langen Ärmeln (lange Ärmel für den Vormittag)
  • ein aufwendigeres Musselinkleid mit Schleppe, ebenfalls in weiß oder creme und mit abnehmbaren langen Ärmeln
  • ein feines Chemisett (ebenfalls für den Vormittag)
  • ein zweites Chemisett oder ein verziertes Fichu
  • eine seidene Schärpe (eine sehr preiswerte Methode, Deine Kleider zu variieren)
  • einen Peplos mit extra-kurzen Ärmeln (mehr Variation, und mehr Wärme)
  • eine winzige Weste (noch mehr Abwechslung)
  • einen großen Kaschmirschal (zur Dekoration und zum Reinkuscheln)
  • einen zweiten Kaschmirschal in einer anderen Farbe
  • eine Robe mit kurzen Ärmeln und Schleppe (oder ein ausgewachsenes Ballkleid)
  • ein Paar lange, helle Handschuhe (vorzugsweise aus Trikot, denn sie werden schmuddelig, glaub mir)
  • ein (oder besser zwei, eins davon farbig) Paar Handschuhe für den Nachmittag, oder für draußen, am besten etwas kürzer
  • ein Reticule
  • ein verziertes Reticule für den Abend
  • zwei Morgenhauben (damit Du frühstücken kannst, bevor Du Dich frisieren läßt)
  • Seidentücher, Seidenblumen und Federn (für den abendlichen Kopfputz)
  • etwas warmes zum Überziehen, wie einen Redingote oder einen warmen Spencer
  • einen eleganten Hut für draußen
  • ein Reitkleid, wenn Du stilvoll spazieren oder sogar reiten willst
  • Reitstsiefel oder Gamaschen aus feinem schwarzen Tuch
  • zwei Paar Schuhe, ein Weißes für drinnen und für den Abend, und ein schwarzes für tagsüber und für draußen (weißes Leder paßt prima für tagsüber und für abends, aber es läßt sich viel einfacher reinigen als Satin!)
  • Ballschuhe aus Satin, oder farbige Schuhe

ein vornehm zurückhaltendes Ballkleid

Wenn Du versuchst, eine solche Rolle zu spielen, solltest Du unbedingt über zeitgenössischen Schmuck, echte Spitze und Handstickerei an den Kleidern, eine Sammlung von Kaschmirschals (nur ein Witz), Accessoires in wenigstens zwei verschiedenen Farbrichtungen, Lederhandschuhe für den Abend, antique Fächer und Sonnenschirme, Pelzmuffs und dergleichen nachdenken. Mit einem Wort: Nobel.
Und ja, das wird recht teuer. Weil Du nicht die große Dame mit großzügigem Taschengeld spielen kannst, wenn die persönliche Gefährtin der Gastgeberin ständig besser bekleidet ist als Du selbst.

Dennoch kann man durch sorgfältige Auswahl der Kleider und Accessoires eine Menge erreichen: Mit abnehmbaren langen Ärmeln und einem Chemisett kann man die zwei Kleider wie sechs aussehen lassen: jeweils ein langärmeliges Vormittagskleid, ein kurzärmeliges Nachmittagskleid und ein kurzärmleiges Abendkleid pro Kleid.

Generell solltest Du die Grundausstattung (Kleider, Handschuhe, Strümpfe, Schuhe) so schlicht wie möglich halten, damit Du sie mit Accessoires jeder Farbe ergänzen kannst. Wenn Du Accessoires in verschiedenen Farben einplanst, stelle sicher, daß Gegenstände, die zusammen getragen werden können (z.B. Kaschmirschal, Reticul und Peplos, oder Reticule und Seidenschärpe) farblich zueinander passen.

Vormittagskleidung sollte langärmelig sein, und wurde üblicherweise mit einem fein bestickten Chemisett oder Brusttuch getragen (Du kannst auch einen Seidenschal mitbenutzen), der Kopfputz sollte eher schlicht sein, eine elegante Haube paßt gut (aber bitte nicht die gleiche Haube zweimal hintereinander zum Frühstsück tragen!). Im Haus wurden bis zum Abendessen keine Handschuhe getragen.
Wenn der Tag fortschreitet, darf die Kleidung aufwendiger werden, füge z.B. eine elegant geschnittene und verzierte Damenweste hinzu, oder einen Peplos. Wenn Du bei Regenwetter nach draußen gehst, zieh unbedingt ein Kleid ohne Schleppe an, da Du wahrscheinlich keine Möglichkeit haben wirst, das Kleid wieder reinigen zu lassen, und damit effektiv ein Kleid weniger zum Anziehen hast.
Gesellschaftskleidung (Diner, Empfang, Ball) darf aufwendig bestickt sien, und sollte kurze Ärmel, lange Handschuhe und tiefe Ausschnitte haben, garniert mit passendem Schmuck und chiquen Accessoires wie Reticule, Weste, Peplos oder auch einer Robe. Das Haar wird kunstvoll frisiert mit Blumen, Federn, Juwelen und Tüchern. (oder meinetwegen auch allem zusammen)
Gehe sicher, daß Deine Überkleidung für draußen so warm wie möglich ist (ob nun Spencer oder Redingote), denn bei wärmerem Wetter kannst Du auch Deinen Kaschmirschal umlegen. Jacken und Mäntel sind schließlich nicht nur zur Dekoration, sondern sollen Dich ordentlich warm halten.

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Text von/by Ann-Dorothee Schlüter
Bilder/pictures ©
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