Die napoleonische Kleidertruhe
oder
Wie man eine vernünftige Ausstattung zusammenstellt

Da wir alle nicht unbegrenzt Zeit und Geld in unsere Reenactment-Garderobe stecken können, wir aber andererseits auch keine Abstriche bei der Authetizität machen wollen, ist es eine gute Idee, sich vorab einige Gedanken über die sinnvolle Zusammensetzung unserer Garderobe zu machen.

Die erste Frage, die wir uns stellen sollten, ist “Wen stelle ich dar?”. Tatsächlich operieren viele Leute eher nach dem Prinzip “Ich find’ das Kleid soo schön!”. Das sollte natürlich auch der Fall sein, aber es führt, wenn man nicht aufpaßt, oft zu einer bunten Sammlung von Einzelstücken, die meist in Stil und Zeit nicht wirklich zusammenpassen.

Zunächst also sollten wir überlegen, wer wir sein wollen, und uns dann fragen, welche Kleidung diese Person getragen haben würde. Folgende Fragen können uns dabei weiterhelfen:

  • Wie alt ist sie? Trägt sie mädchenhafte Kleidung oder damenhafte Mode?
  • Welcher sozialen Schicht gehört sie an? Braucht sie Ballroben oder Arbeitskleidung?
  • Kann sie modebewußt sein? Kennt und folgt sie der neuesten Mode, oder trägt sie konservative Kleidung?
  • Wo lebt sie? Kann sie hübsche Schühchen tagen, oder muß sie mit schmutzigen Feldwegen fertig werden?
  • Wie steht sie finanziell da? Kann sie sich viele modische Kleider leisten, oder muß sie mit einigen wenigen auskommen?

Außerdem solltest Du feststellen,Wann die dargestellte Person sich herumtreibt, so daß Du gezielt das Quellenmaterial nach Anregungen durchsuchen kannst. Schließlich macht es keinen Sinn, sich lauter Biedermeierkleider anzuschaffen, wenn die meisten von Dir besuchten Veranstaltungen im frühen napoleonischen Kaiserreich angesiedelt sind...

Da die meisten Veranstaltungen nicht länger als zehn Tage dauern, braucht man keine riesigen Mengen an Kleidung zum Wechseln, und nur wenn Du versuchst, die Fürstin von und zu Sonstwo zu spielen, braust Du, neben einer Kutsche und einigen Dienern, wirklich mehr als ein Kleid pro Tag einzuplanen. (Aber ich werde später erklären, wie Du zwei Kleider und ein paar geschickt ausgewählt Accessoires wie sechs Kleider aussehen lassen kannst!)

Wenn wir einen fest umrissenen Eindruck haben, was unser Character tragen würde, können wir einen Schritt weitergehen, und Kleidung aussuchen und eine Garderobe zusammenstellen. Um Dir ein paar Tips zu geben, wie man mit möglichst wenig Kleidungsstücken möglichst weit kommt, habe ich drei beispielhafte Garderoben für unterschiedliche gesellschaftliche Positionen zusammengestellt.

Die Dame

Die Bürgersfrau

Die propere Hausfrau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text von/by Ann-Dorothee Schlüter
Bilder/pictures ©
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