Du wohnst auf dem Land und stehst vermutlich einem vielköpfigen Haushalt vor. Du mußt eine Reihe von täglich anfallenden Arbeiten überwachen, und die anspruchsvollsten Aufgaben selbst übernehmen: Du bist wahrscheinlich eine gute Köchin, und stolz auf Dein sauberes Haus und Deinen ertragreichen Garten, genauso wie auf Deine gesunden und wohlgeratenen Kinder.

Der sonntägliche Gottesdienst ist das einzige gesellschaftliche Ereignis, das Du besuchst, und Mode ist ein fremdes und mysteriöses Wesen für Dich: Sich sauber, ordentlich und angemessen zu kleiden, ist der ganze Ruhm, den Du jemals in der Modewelt ernten wirst, und mehr als genug, um Dich mit Recht stolz zu machen

Unten findest Du eine Liste von Kleidungsstücken, die eine angemessene und flexible Garderobe bilden (etwa für 1795 - 1815); das absolute Minimum für ein Wochenende ist in schwarz geschrieben, die optionalen Extras für mehr Abwechslung oder längere Veranstaltungen in rot. .

Ordentlich und sauber: Kleidung einer respektablen Hausfrau

  • zwei Chemisen aus stabilem Leinen
  • eine zusätzlich Chemise, um den anderen beiden Zeit zum Trocknen zu geben
  • ein kurzes Mieder
  • eine Tasche zum Umbinden für Deine persönlichen Gegenstände
  • ein Manteau de Lit aus bedruckter Baumwolle oder Leinen in gedeckten Farben (dies ist KEIN Nachtgewand, und wird auch nicht im Bett getragen)
  • ein zweites Manteau de Lit oder ein schlichtes Caraco (eine figurbetonte Jacke)
  • ein Wollrock
  • ein Rock aus Leinen für heißes oder sehr kaltes Wetter
  • eine großzügige praktische Schürze, um Deine Sachen vor Schmutz zu schützen
  • eine hübsche Schürze aus feinerem Stoff (Druck oder Streifen machen sich gut)
  • ein Halstuch (absolut unentbehrlich für eine wohlanständige Erscheinung)
  • ein zweites Halstuch (das Halstuch sollte immer penibel sauber sein)
  • eine Haube aus feinem Leinen, die das Haar bedecken sollte
  • eine modische (aber dennoch biedere) Haube für sonntags
  • ein Kleid, nicht zu altmodisch, für sonntags (z.B. ein schlichtes Kleid aus buntem Kattun ohne Schleppe)
  • ein Paar gestrickter Strümpfe
  • ein zweites Paar Strümpfe (wenn Du pingelig bist)
  • ein Paar robuste Lederschuhe mit Schnallen
  • ein Paar Holszschuhe für schlechtes Wetter
  • einen warmen Wollmantel mit Kapuze
  • ein Bonnet (bitteschön, wem “Huthaube” besser gefällt...) um die Haube zu bedecken, wenn Du “in die Stadt” gehst (also Dein Haus und Garten verläßt)

Die unteren Schichten darzustellen ist keinesfalls einfacher als einen wohlhabenderen Character zu spielen: Quellen sind oft schwer zu finden, und außerdem brauchst Du einige wirkliche Fertigkeiten, wie zum Beispiel über einem offenen Feuer zu kochen, oder Holz zu hacken.

Andererseits hast Du richtig was zu tun, und Deine Kleidung wird das in Material und Zuschnitt wiederspiegeln. Sie ist in der Regel bequem und angenehm zu tragen, im Gegensatz zu den modischen Kleidern mit ihren extrem schmalen Rücken, die ziemlich einengend sein können. Außerdem brauchst Du nicht zu befürchten, Dich schmutzig zu machen, das wird ohnehin passieren, und einige Kleidungsstücke sind ja nachgerade dazu bestimmt, wie die Schürze.

Aber Achtung, die bedruckten Leinenstoffe, stabilen Wolltuche und Schnallenschuhe zu kaufen, ist auch nicht billiger, als eine wohlsituierte Bürgersfrau auszustaffieren. Allerdings lassen sich die ländlich-schlichten Kleidungsstücke viel einfacher selber herstellen, und das spart eine Menge Geld.

Wenn Du eine ordentliche Hausfrau darstellst, solltest Du außer im Bett auf jeden Fall immer eine Haube und ein Halstuch tragen. Es ist eine gute Idee alle Kleidungsstücke in passenden Farben anzuschaffen, damit sie alle miteinander kombiniert werden können, ohne daß sie sich farblich beißen. Auf diese Weise kommt Abwechslung in die Garderobe.

Manteau de Lit mit Wollrock und Halstuch, unter dem Manteau schaut die Tasche hervor

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Text von/by Ann-Dorothee Schlüter
Bilder/pictures ©
www.ArtsetMetiers.de.